Motorola äußert sich zur evangelikalen Missionsarbeit

09.02.2015


Dr.phil. William Yoder

 

1. Nach Rückzug der westukrainischen Kräfte vom Donezker Flughafen tauchte am 22. Januar auf «Youtube» u.a. ein Bericht des inzwischen legendären, prorussischen Offiziers «Motorola» (Arseni Pawlow) auf. Auf dem Film zeigt Motorola einen solarzellenbetriebenen Player mit übersetzten, geistlichen Beiträgen von Dr. Charles Stanley. Stanley ist Gründer der «In Touch Ministries» und leitender Pastor der «First Baptist Church» in Atlanta/USA. Nach Angaben dieses Offiziers trugen alle auf dem Flughafen gefallenen Westukrainer einen solchen Player bei sich. Motorola, zweifellos kein Kenner der evangelikalen Szene, interpretierte den Aufruf Stanleys, treu durchzuhalten und im Falle des Ablebens mit einem glorreichen Platz im Paradies zu rechnen, als die versuchte «Zombisierung» («Zombie» auf Englisch) von Soldaten. Gemeint war damit wohl die Erzeugung von Todesmut.

Trotz womöglich löblicher Absichten hinterläßt dieser Vorfall bei Russen und Ostukrainern dennoch den Eindruck, die USA sorge neben der militärischen auch für die geistlich-ideologische Ausstattung der pro-Kiewer Streitkräfte. Darauf könnte die Mission aus Atlanta natürlich erwidern, daß sie auch die andere Seite mit geistlichen Hilfen ausstatten würde, gäbe man ihr die Chance.

2. Mit Stillstand läßt sich das gegenwärtige Gespräch zwischen den Protestanten Rußlands und der Ukraine beschreiben. Vom 20. bis 22. Januar gab es in Wuppertal eine Begegnung protestantischer Kirchenvertreter aus Rußland mit protestantischen und orthodoxen Vertretern aus der Ukraine. Gastgeber wie bereits bei der Begegnung in Oslo Mitte September war die nationale Bibelgesellschaft des Landes.

Das Wuppertaler Gespräch fiel durch seine Bescheidenheit auf. Die russischen Vertreter, abgesehen vom methodistischen Bischof Eduard Khegai, stammten aus dem Umkreis der charismatisch-pfingstlerischen «Vereinigten Russischen Union der Christen Evangelisch-Pfingstlerischen Glaubens» (ROSChWE) und der «All-Russischen Arbeitsgemeinschaft der Evangeliumschristen» (WSECh). ROSChWE-Bischof Sergei Rjachowski ließ sich durch seinen Stellvertreter, Bischof Konstantin Bendas, vertreten. Wie bereits bei den ausschließlich protestantischen Gesprächen in Jerusalem am 10. April letzten Jahres waren die Baptisten und Lutheraner Rußlands nicht vertreten – die Baptisten wurden nicht einmal eingeladen. Doch dafür war Waleri Antoniuk, Oberhaupt der großen Union der ukrainischen Baptisten, in Wuppertal zugegen. Inhaltliche Stellungnahmen zur Friedensthematik enthält das offizielle Kommuniqué nicht.

Auch das Gespräch zwischen den Leitungen der russischen und ukrainischen Baptisten in Minsk am 27. November hat zu keinen positiven, greifbaren Ergebnissen geführt.

3. Die russischen Lutheraner sowie die gerade genannte ROSChWE scheinen neue, feste, mit Moskau verknüpfte Strukturen auf der Halbinsel Krim etabliert zu haben. Sieben von acht lutherischen Gemeinden wollen sich der russischen Kirche anschließen. Bei den Baptisten gestaltet sich die Neugestaltung schwieriger: Nahezu die Hälfte der rund 60 Gemeinden bevorzugt weiterhin Beziehungen zur Bundeszentrale in Kiew.

4. Am 21. Januar überreichte US-General Ben Hodges in einem Kiewer Krankenhaus Orden als Zeichen des Dankes an verwundete ukrainische Soldaten. Berichten zufolge werden diese Orden nun – auch «Münzen» genannt – auf eBay in konkreten Mehrwert umgewandelt. Russische Protestanten sind erstaunt und amüsiert darüber, daß die USA dermaßen unverhohlen ihre Unterstützung und auch Teilnahme am Kampf der westukrainischen Streitkräfte zugibt.


 

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